Dienstag, 9. Mai 2023

Familien auf der Flucht

 Der 2. Weltkrieg ist 1945 zu Ende, jedoch das Leid vieler Menschen noch nicht. Für viele dauerte es noch Jahre bis sie z. B. aus der Gefangenschaft zurück kommen konnten. Familienteile, ob Eltern, Kinder oder die Ehefrau konnten sich vielleicht in Sicherheit bringen, andere überlebten den Weg in die Zukunft nicht.

In Haaren und andere deutschen Dörfer und Städte fanden sie erstmals eine Bleibe bis sie sich Jahre später neu orientieren konnten und die Familien wieder zusammengeführt wurden. Man nannte sie "Vertriebene" da sie aus Ihren Wohnungen, Häusern rausgejagt wurden und keine Zeit mehr hatten sich mit dem Nötigsten einzudecken.

Die in Haaren eine Zuflucht gefunden haben, kamen aus
Dossitten Königsberg, Ostpr.    
Gross Rautenberg Braunsberg, Ostpr.    
Naukritten Bartenstein, Ostpr.    
Kreuzdorf Fauenburg, Ostpr.   
Gottesgnade Heiligenbeil, Ermland    
Wolfhagen, Prenzlau, Brandenburg   
Altwaltersdorf, Habelschwerdt, N/S    
Hohndorf, Habelschwerdt, N/S    
Oberlangenau, Habelschwerdt, N/S   
Niederlangenau, Habelschwerdt N/S   
Wölfelsdorf, Habelschwerdt, N/S    
Bettlern, Breslau, N/S    
Domslau, Breslau, N/S    
Elfhofen Breslau, N/S    
Raschdorf, Neumarkt, Breslau,   
Greulich Bunzlau, N/S    
Grottkau, Grottkau, N/S    
Jauer, Jauer N/S    
Kaltwasser Lueben, N/S    
Krehlau, Wohlau N/S   
Kunern, Wohlau, N/S   
Quallwitz Wohlau, N/S     
Friedrichshain Wohlau, N/S    
Ober-Linde Lauban, N/S    
Peterswaldau Langenbielau, N/S    
Rogau, Liegnitz, N/S    
Arnsdorf, Liegnitz, N/S    
Schoenwalde Frankenstein, N/S    
Niederhermsdorf Neisse, O/S    
Neisse Neisse O/S    
Mansdorf, Neisse O/S    
Steinau, Neisse O/S   
Graase Oppeln, O/S    
Graase, Kr. Falkenberg, O/S   
Jassen Neustadt, O/S
Schoenwald Gliegnitz O/S    
Glogau, O/S   
Fast alle waren evangelisch und kamen in ein katholisch geprägtes Dorf, ein Grund schon, nicht gerade mit offenen Armen empfangen zu werden. In anderen Gegenden kamen Katholiken in ev. Dörfer und dort war es auch nicht besser. 


In Haaren kamen einige bei großen Bauernfamilien unter, die gebäudebedingt mehr Platz hatten, andere konnten in der Schützenhalle mit Trennwänden einziehen. Wegen der Platznot stellte die Gemeinde schnellgebaute Behelfsheime auf, kleine Holzhäuser mit 4 Räumen, die sich dann 2 Familien teilten. Sie standen dort wo der jetzige Sportplatz ist und am Grünen Weg, auf dem Gelände des Sägewerk Traphan. Auch das leerstehende Gebäude "Richters Hof" wurde bis unter das Dach belegt.

65 Familiennamen sind bekannt, die oft auch zu einer Familien gehörten.

Am 8. Mai 2023 strahlte DAS ERSTE einen Dokumetarfilm aus, KINDER DER FLUCHT. Sie zeigt Menschen, die am Ende des 2. Weltkrieges von Flucht und Vertreibungbetroffen waren, erzählen von ihren Erlebnissen - emotional und schonungslos.

Leider sind in Haaren die Zeitzeugen inzwischen verstorben und die Kinder können nur noch von den Erzählungen der Eltern berichten. Eine Dokumentation über die Erlebnisse ist zur Zeit in Arbeit.



Sonntag, 4. Dezember 2022

Nickels Kreuz


 

Zu Nickels Kreuz  (verfasst von Bernhard Lötfering)

Kirchenbücher Haaren St. Vitus
Sterbefälle von 1834 – 1863, S0023
Nr. 21 des Jahres 1837:

Wilhelm Schulte vulgo Lüns, Ackermann, Ehemann, 30 Jahre, 6 Monate, 13 Tage
hinterließ Gattin mit 2 minderjährigen Kindern.
Hatte sich am 7. April bei einem fürchterlichen Schneewetter (der Schnee lag 2 ½
Fuß tief) mit einem Knecht aus Helmern von Büren kommend, verirrt und wurde an
12. ejusd. (Anm.: desselben Monats) unterm Spieln in der Heide auf Bruns Acker
gefunden und am 14. ej. beerdigt.

(zu Bruns Acker: Josef Bruns, um 1830 in Hs.Nr. 20, jetzt Schütte
 

Trauungen von 1825 – 1833, H0008
Nr. 5 des Jahres 1830:
Wilhelm Schulte vulgo Lüns (Vater: Adam Schulte, Ackerwirth in Haaren) heiratete im
Alter von 22 Jahren Elisabeth Thiele  im Alter von 21 Jahren (Vater: Heinrich Thiele,
Ackerwirth von Haaren) am 17. Februar 1830.


(zu Adam Schulte: um 1830 in Hs.Nr. 85, Koersjahnes, jetzt Kluthe, Alfons)
(zu Heinrich Thiele: um 1830 in Hs.Nr. 96, Trecken, jetzt Parkplatz vor der Schule)
 

Taufen von 1825 – 1833, T0030
Nr. 26 des Jahres 1832:
Johann Heinrich, geb. am 22. September 1832,
Eltern: Wilhelm Schulte und Elisabeth Thiele
 

Taufen von 1835 – 1848, T0009
Nr. 38 des Jahres 1835:
Johann, geb. am 22. September 1835, (Anm. genau 3 Jahre Unterschied)
Eltern: Wilhelm Schulte (*15.09.1808) und Elisabeth Thiele (*27.02.1809)
Elisabeth Thiele, 29 Jahre, heiratete am 29.08.1837 Hermann Tingelhoff (1797-1885), 36 Jahre.
Er wohnte wahrscheinlich in Hs.Nr. 12, Schümmels, jetzt Boers

Dienstag, 16. August 2022

Klimawandel schon 1947 ?

 Hier ein Ausschnitt aus unserer Chronik :  1947
(Seite 398) Am 20ten Januar setzte eine Kältewelle ein, die
bis zum 13. März anhielt. Während dieser Zeit wurden täglich
im Durchschnitt 20° Kälte gemessen. Durch die starken Schnee-
fälle war der Verkehr stark behindert. Die Waldarbeiter muß-
ten ihre Arbeit wochenlang einstellen.
Die Monate April - Mai brachten uns schönes Frühlingswetter,
sodaß die Feld- u. Gartenarbeit gut vonstatten ging. So streng
der Winter war, so heiß wurde dann der Sommer, der am 10.
Juni mit einer Hitzewelle einsetzte. Ende Juli war die Roggen-
ernte bereits beendet. Durch die anhaltende Trockenheit waren
die Weiden vollständig ausgedörrt, u. für das Vieh kam nun
eine schlimme Zeit. Täglich sah man große Herden in den Wald
ziehen. Der Hudepreis betrug für eine Kuh 2,- RM u. für ein
Rind 1,- RM pro Monat.
(Seite 399) Bis in den Monat November hielt das heiße und
trockene Wetter an. Der Monat Dezember war sehr gelinde u.
brachte starke Schneefälle.

Sonntag, 17. Juli 2022

Willi und Fritz

 So mancher kennt noch Willi und Fritz. Zwei Haarener, von denen niemand mehr weiss, woher sie stammten. Jedenfalls hatten sie im Krankenhaus in Haaren eine Bleibe gefunden und so traf man sie oft auch auf den Haarener Dorfstraßen.

Willi und Fritz


1956 skizzierte Hans-Gerd Gockel diese beiden eigenartigen Typen aus Haaren. Der Vater Johannes Gockel hat seinerseits viele Bilder von Haaren und einigen Bürgern gemalt. 





Montag, 18. April 2022

Wieder ein Haus abgebrochen

 und sofort dort ein neues Haus begonnen. Das Haus stand in der Straße "Im Futterloch" auf dem Grundstück, welches 1830 einem Thomas Halten, Haus Nr. 150, gehörte und auch die Haus Nr. der Volksbank war.

Im Futterloch 5


Donnerstag, 31. März 2022

Haarener Heiligenhäuschen Lehmkule

 Denkmalpflege hat Bedenken gegen Sanierung

HAAREN (eb). Am ältesten Haarener Bildstock hat die Witterung Spuren hinterlassen. Mitglieder des Heimatund Verkehrsvereins hatten es sich daher zur Aufgabe gemacht, das aus dem Jahr 1719 stammende Heiligenhäuschen zu sanieren. Doch der Denkmalschutz hat sie ausgebremst.
Mit viel Engagement und mit Unterstützung der Stadt, die bei den Erdarbeiten half, wurde zunächst das Umfeld gesäubert und nach Vorgaben des Naturdenkmalamtes in Detmold Betonplatten als Zugang zur Prozessionsstation verlegt. 


Professionelle Unterstützung hatten die Helfer durch den Haarener Malermeister und Restaurator Ludwig Mersch, der unter anderem am Torhaus vom Kloster Böddeken alte Gemälde und die Fassade an der Bürener Jesuitenkirche restauriert hat. Unterstützt von seinem Fachwissen, wollten sich fachkundige Vereinsmitglieder anschließend daran machen, den Bildstock nach Vorgabe der Denkmalbehörde zu reinigen und eine schützende Schicht aufzutragen.

Doch Einwände der städtischen Denkmalbehörde sorgten für einen Stop des Engagements - und für Frust bei den fleißigen Helfern.

Gegen die vorgesehene mineralische Lasur auf Silikatbasis bestünden denkmalfachlich Bedenken, da die Beschichtung nicht rückgängig gemacht werden könne, teilt die Behörde mit. Zudem sei ein einheitliches Erscheinungsbild nicht das konservatorische Ziel.
Vielmehr seien kleinteilige Maßnahmen wie die Verbesserung der unpassenden Altersergänzungen und Risse fachgerecht zu behandeln.
Die Arbeiten seien von einem akademisch ausgebildeten Restaurator auszuführen, heißt es in dem Schreiben der Unteren Denkmalbehörde.
Eine denkmalrechtliche Erlaubnis könne daher nicht erteilt werden.



„Wir sind schon frustriert, denn wir wollten in Eigenleistung und mit bürgerschaftlichem Engagement, unterstützt von Fachleuten, dafür sorgen, dass ein Stück Haarener Kulturgut erhalten bleibt“, sagt Ortschronist Bernhard Lötfering.
 Doch damit ist erstmal Schluss.
Nun sei die Stadt gefordert eine Firma mit der Restaurierung zu beauftragen.

Am Heiligenhäuschen an der Lehmkuhle wurde früher das Material für die Herstellung von Ziegeln abgebaut. Anfang des 18. Jahrhunderts gab es eine Viehseuche, und die Kadaver wurden in der Lehmkuhle verbrannt.
 Die Haarener gelobten, dort nach dem Ende der Heimsuchung den Bildstock zu errichten. Über die Jahrhunderte führte eine Prozession am ersten Sonntag im Mai dorthin, letztmalig am 4. Mai 2014.


Red.: Henrich Wilhelm Nebel starb am 3.Jan.1723

Quelle: WV 31.3.2022, Fotos: Reinhold Uhl, Johannes Büttner

Montag, 21. Februar 2022

Erinnerungen an Auswanderer 1867

 Die Familie Kaup, Friedrich mit Vater Joseph wanderte 1867 von Haaren "Schwattemeyers" Haus nach West Point, Amerika, aus. Darüber hat die Urenkelin Angela ein Buch geschrieben nach den Erzählungen des Großvaters und somit Erinnerungen festgehalten. Als Amerikanerin hat sie auch um 1995 Haaren besucht. Das 157 seitige Buch "Voices of the Prairie" hat das Format eines Taschenbuches und ist komplett in englisch geschrieben. Einige kleine genealogische Fehler enthält es, könnten aber auch gewollt sein.



Donnerstag, 13. Januar 2022

Historische Arbeitsgruppe für Haaren

 oder auch für das Stadtgebiet sollte gegründet werden. Wer daran interessiert ist und genügend Idealismus mitbringt, sollte sich mal über Mail an haaren@online.ms melden.

Je nach Zusammensetzung könnte man sie auch für das Stadtgebiet erstellen oder unserem/einem Heimatverein unterstellen.

Ich freue mich auf Anregungen und Antworten.

Auch über die unveröffentliche Kommentarfunktion (unten) möglich.

MfG

Reinhold Uhl


Mittwoch, 12. Januar 2022

Lebensmittel auf Karten?

 Damit ist nicht die Scheckkarte zum bezahlen an der Kasse gemeint sondern eine Zuteilungskarte in der schlechten Zeit nach dem Kriege.

Lebensmittelkarte von 1950 Januar und Februar

Mit dieser Karte konnten mittellose Personen, wie neu angekommene Vertriebene und Evakuierte die notwendigen Lebensmittel wie Brot, Butter, Fett, Fleisch und Zucker in geringen Mengen erwerben.

Es waren schlechte Zeiten in denen usere Eltern aus den Kriegsjahrgängen mit dem Fahrrad über Land fuhren um Lebensmittel aus eigenem Anbau gegen Bekleidung und Sonstiges auch tauschten.

Den Landwirten ging es damals in diesem Bezug noch recht gut im Gegensatz zu den Evakuierten aus dem Ruhrgebiet, der Häuser und Hab und Gut durch Bomben vernichtet wurde oder den Vertriebenen und Geflüchteten aus den Ostgebieten wie Schlesien und Ostpreußen, die von Polen vertrieben wurden.

Leider sieht die heutige Lage auch nicht gerade rosig aus obwohl wir, im Gegensatz zu den Flüchtlingen aus dem Osten, noch sehr gut leben.